Kulturwissenschaftliches Institut: KUNST - TEXTIL - MEDIEN
J. Seipel
"You’re here as migrants, not here to enjoy life". Migrantinnenfilme aus Australien in den 1990er Jahren: Zur filmischen Repräsentation von Geschlecht und Ethnizität im Kontext eines multikulturalistischen Nationalstaats.
Welche Rolle spielen narrative Spielfilme für die Repräsentation eines multikulturellen Nationalstaats? Wie sind die Nation und ihre Repräsentation in das heteronormative Geschlechtersystem eingebunden?
Anhand von drei Filmen aus Australien habe ich die Repräsentation von MigrantInnen bzw. Ethnisierten Gemeinschaften und ihre Einbindungen in ein nationales Kino untersucht.
Aus der Fragestellung ergab sich notwendigerweise eine transdisziplinäre Herangehensweise, die
· Nationen- und Gender-Theorien
· nationale Mythen, die Sozialgeschichte und
Filmgeschichtsschreibung Australiens
· Filmtheorie und die Analyse filmischer
Gestaltungsmittel (Bild, Ton, Montage)
· Verkörperungen und Verräumlichungen
(Figuren- und Rauminszenierung)
· Diskursanalyse zur kulturellen Reproduktion von
Tradition und ihren Brüchen
umfasst.
Mein Schwerpunkt lag dabei auf Fragen zu Korrelationen der Kategorien Geschlecht und Ethnizität. Theoretische Überlegungen ergaben sich zu Konstruktionen von Identität, Authentizität und der Bedeutung des Hybriditäts-Begriffs.
Die filmische Lösung ließ sich in der narrativen Herstellung einer individualisierten 'glücklichen' Identität als 'ethnisierte Australierin' feststellen, die Ethnizität und 'Australianness' in sich vereint und sowohl in Bezug auf die kulturelle als auch auf die biologische Re‑Produktion in die Zukunft gerichteten ist.
Filmmaterial:
Fistful of Flies (Monica Pellizzari, AUS 1996)
Floating Life (Clara Law, AUS 1996)
The Sound of One Hand Clapping (Richard Flanagan, AUS 1997)
Die Dissertation wurde im Januar 2007 eingereicht.
J. Seipel hat in Erlangen und Glasgow Filmwissenschaften studiert und ist seit Mai 1998 Mitglied im Kolleg Kulturwissenschaftliche Geschlechterstudien (Zertifikat 2002). J. Seipel unterrichtet an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg in den Bereichen Film- und Kulturwissenschaften sowie Queer/Gender Studies und ist in autonomen politischen, feministischen und queeren Zusammenhängen sowie in der nicht-kommerziellen Film- und Kinoarbeit (Medienbüro Oldenburg/Cine k) aktiv.Zur Zeit lebt und arbeitet J.Seipel in Schweden.
J.Seipel studied film studies in Erlangen/Germany and Glasgow/Scotland and finished a PhD in cultural gender studies at the Carl von Ossietzky Universität Oldenburg in 2007. Since 2000 J.Seipel taught film and cultural studies, gender and queer studies. J.Seipel is involved within the feminist and queer community as well as in non-profit cinema work and lives now in Sweden.
Kontakt: j.seipel[at]uni-oldenburg.de
Link: http://www.transcript-verlag.de/ts1174/ts1174.php
Veröffentlichungen/Vorträge (Auswahl):
"Film und Multikulturalismus - Repäsentation von Geschlecht und Ethnizität im australischen Kino". Bielefeld: transcript (September 2009).
Vortrag bei der 7th European Feminist Research Conference, Utrecht 'Filmic representation of trans*gender - representation, self-identification an cultural production of reality' (Mai 2009).
Vorbereitung und Durchführung des Symposiums 'Dritte Geschlechter? Kulturvergleich multipler Geschlechtersysteme als Heteronormativitätsktitik' im Waldschlösschen, zusammen mit Lüder Tietz. Vortrag 'Dritte Geschlechter? und ethnografische Filme' (Oktober 2008)
'Filmische Dokumentation des Großbauprojekts. Die Amateuraufnahmen des Bauleiters Marinebaurat Hans-Joachim Steig", in: (Hg.): Dietrich Hagen/Katharina Hoffmann (2008) Landschaft-Natur-Geschichte: Wie die Natur bewahrt und Erinnerungen gestaltet werden? Oldenburg: Isensee Verlag.
"The Crying Game - Auf der falschen Fährte zum richtigen Geschlecht?". In: Maske und Kothurn. Internationale Beiträge zur Theater-, Film- und Medienwissenschaft: Falsche Fährten in Film und Fernsehen, 2/53. Wien: Böhlau-Verlag
"Sex/ismus zwischen Sex und Gender: Darstellungen und Bewertungen von Gender-Transgressionen in The Crying Game ". In: Kerstin Knopf e.a.: Sex/ismus und Medien Herbolzheim: Centaurus Verlag (2007).
"Ein Königreich in der Provinz. Drag Kings in Oldenburg". Als J. Highlo, mit Phil Hansom und Stuart. In: Thilmann, Pia / Witte, Tania / Rewald, Ben (Hg.) Drag Kings. Mit Bartkleber gegen das Patriarchat. Berlin: Quer Verlag (2007)
"Filmische Dokumentation des Großbauprojekts: Die Amateuraufnahmen des Bauleiters Marinebaurat Hans-Joachim Steig". Vortrag beim Symposium 'Landschaft - Natur - Geschichte. Wie kann Natur bewahrt und Erinnerung gestaltet werden?' des DenkOrt Bunker Valentin und Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg, Februar 2007 (Veröffentlichung folgt).
"'Whether you be top, bottom, or on-the-side. Butch, femme or none of the above'. Dekonstruktion von Gender-Identitäten am Filmbeispiel Girl King". In: Geiger, Annette/Rinke, Stefanie/Schmiedel, Stevie/Wagner, Hedwig (Hg.) (2005): Medien der Geschlechter/Geschlechter der Medien. Weimar: VDG.
"Who's the Better Woman? Gender as Category of Film Analysis and the Danger of Reproducing Binary Gender Systems". Vortrag beim 2. Gender Workshop der International University Bremen: Mai 2005.
